Ansicht Illenau

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Dr. Roller
Dr. karl Herg
Dr. Schüle
Dr. Thoma

Die Anstaltsleiter

 

Dr. Christian Roller

Er war der Gründer der Illenau. Am 11.01.1802 wurde er in Pforzheim geboren. Dr. Roller war von 1842 bis 1878 ihr Direktor. Von 1818 bis 1821 hatte er Medizin in Tübingen, Göttingen und Heidelberg studiert. Nach erfolgreichem Studienabschluss 1822 ließ er sich als praktischer Arzt in Pforzheim nieder. Da sein besonderes Interesse der Psychiatrie galt, wurde er 1827 Assistenzarzt im Heidelberger Irrenhaus. 1835-1842 leitete er wie schon in früheren Jahren sein Vater das Waisen–, Kranken-, Zucht und Tollhaus in Pforzheim. Stark beeinflusst durch seine Studienreisen und die mangelhaften Zustände in Heidelberg und Pforzheim setzte er sich gemeinsam mit dem Leiter Friedrich Groos für den Neubau einer größeren und moderneren Anstalt ein, was er dann mit der Illenau verwirklichen konnte. In seinem 1830 geschriebenen Buch „Die Irrenanstalt in allen ihren Beziehungen“ trat er für die Menschenrechte der Geistesgestörten ein. Er beschrieb darin die „heilende Kraft des Schönen in Gestalt der Natur und der Architektur in Harmonie mit Musik, religiösen Riten und guter menschlicher Gemeinschaft“.Die Illenau wurde zum Vorbild für zahlreiche andere Anstalten. Auch auf dem Gebiet der Psychiatrie leistete Roller Beachtliches. So war er 1844 Mitbegründer der “Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie”. Dr. Roller heiratete 1840 seine Cousine Christiane Roller. Sie hatten neun Kinder, von denen drei in jungen Jahren starben. Dr. Roller starb in „seiner“ Anstalt im Alter von 76 Jahren. Er wurde auf dem Illenauer Waldfriedhof im Familiengrab bei seiner Frau († 1859) beigesetzt.

Quelle: Achern Stadtarchiv

Dr. Karl Hergt

Er war von 1878 bis 1889 der zweite Direktor der Illenau. 1807 in Tauberbischofsheim geboren kam Dr. Hergt, der Apotheker war, 1835 als Assistenzarzt an die Heidelberger Anstalt, wo er lange Jahre mit Dr. Roller zusammenarbeitete. Er und Dr. Roller übersiedelten 1842 nach Achern an die Illenau. Während Roller als großer Organisator galt, übernahm Hergt die Aufgabe des Therapeuten. Hingebungsvoll kümmerte er sich um die Patienten, achtete auf jedes ihrer Worte und bemühte sich mit Liebe und persönlichem Engagement um ihre Heilung. Er war für alle Ärzte der Illenau ein großes Vorbild an Geduld und Güte. Aufgrund seiner Verdienste wurde er 1879 zum Ehrenbürger von Achern ernannt. Auch er blieb bis zu seinem Lebensende im Jahre 1889 der Illenau treu. Er galt als ein „Genie der Herzen”. Auf dem Illenauer Waldfriedhof wurde er beigesetzt.

Quelle: Achern Stadtarchiv

Dr. Heinrich Schüle

Er war der dritte Direktor der Illenau. 1840 in Freiburg geboren kam er 1863 als Hilfsarzt an die Illenau. Er war eine Weltkapazität auf dem psychiatrischen Gebiet. Sein Ruhm breitete sich über Europa bis nach Russland aus. Er wurde zum Ehrenmitglied vieler europäischer wissenschaftlicher Gesellschaften. Den jüngeren Ärzten imponierte sein reges Interesse und seine Aufgeschlossenheit an den neuen Forschungsergebnissen, die auf dem Gebiet der Psychiatrie erzielt wurden. Trotz seiner intensiven wissenschaftlichen Arbeit hatte Schüle ein Herz für die Kranken. Er rief 1906 den von Roller 1872 gegründeten Hilfsverein für entlassene Geisteskranke wieder ins Leben. Dr. Schüle leitete die Illenau von 1890 bis zu seinem Tod 1916. Er war zu Lebzeiten ein großer Verehrer von Goethe. Auf seinem Familiengrab findet man die ersten Worte von Goethes Wanderers Nachtlied „über allen Gipfeln ist Ruh”.  

Quelle: Achern Stadtarchiv

Dr. Ernst Thoma

Er war der vierte Direktor der Illenau und Gründer der Pflegeschule im Jahre 1921. In Wiesbaden 1863 geboren, absolvierte Hans Thoma in Freiburg i.B. das Gymnasium und medizinische Studium an der Universität, an der er approbiert und promoviert wurde. Nach einigen Monaten allgemeiner Praxis war er 14 Monate als erster Assistent in der psychiatrischen Klinik von Professor Emmingus in Freiburg tätig. Alsdann erweiterte er seinen Gesichtskreis als Schiffsarzt durch drei große Reisen von der Dauer von zwei Jahren. 1892 kehrte er nach Freiburg zurück und arbeitete als zweiter Assistent in der inneren Universitätsklinik bei Professor Dr. Bäumler. Er trat wohlvorbereitet am 17.2.1893 in der Illenauer Pflegeanstalt als Mitarbeiter von Geheimrat Schüle ein. Unter Schüle erlebte er noch Illenaus Glanzzeiten, wo Fürstlichkeiten aller Länder, die Magnaten des hohen Adels und der Geldaristokratie in der Anstalt nach Heilung suchten.
Während seiner langjährigen Tätigkeit in der Illenau pflegte Thoma stets rege wissenschaftliche Interessen, ganz besonders die gehirnanatomischen pathologischen Forschungen, über die er im Laufe seiner 15- jährigen Arbeit rege publizierte. Daneben hatte er, stets rastlos tätig, lange Jahre die Leitung der Trinkerheilstätte Renchen inne. Ihm gelang es die Illenau durch den Ersten Weltkrieg und die nachfolgenden wirtschaftlich schlechten Zeiten hindurch zu retten. Er leitete die Illenau von 1917 bis zu seiner Pensionierung 1929 und starb kurz vor der Auflösung der Anstalt 1940. Dr. Thoma fand seine letzte Ruhe auf dem Illenauer Waldfriedhof.
 

Quelle: Achern Stadtarchiv

Dr. Römer

Dr. Hans Römer

Er war der fünfte Direktor der Illenau.1906 trat er unter Dr. Schüle seinen Dienst als Oberarzt in der Illenau an. Er machte schnell Karriere und war für die Reform der Anstalten in Baden zuständig. Als 1929 der Anstaltsleiter Posten in der Illenau durch die Pensionierung von Dr. Thoma frei wurde, griff er zu. Dr. Römer war auch ein Befürworter des Sterilisationsgesetzes „Kastration“ er sagte selbst, dass man „Ballastexistenzen“ daran hindern muss sich hemmungslos fortzupflanzen. 1940 musste Römer sich dann mit der Euthanasie im dritten Reich auseinander setzen. Er wollte nicht an der Ermordung seine Patienten schuld sein, und ließ sich am 31. Oktober 1940 vorzeitig pensionieren nach dem er erkannt hatte, dass all seine Bemühungen, zu keinen Ergebnis mehr führen würden. Dr. Römer wurde im Freiburger Prozess freigesprochen und starb 1947.

Quelle: siehe unten

Dr. Schreck

Dr. Arthur Schreck

Dr. Schreck trat 1913 als Hilfsarzt unter Dr. Schüle in die Illenau, und blieb der Illenau bis 1934 treu. Danach übernahm Schreck als Direktor die neugegründete Anstalt in Rastatt bis zu deren Auflösung 1940.
Nach dem Rücktritt von Dr. Römer im Juli 1940, war er der stellvertretende Direktor von der Illenau, bis Dr. Hoffers ende August wieder seinen Dienst antrat.

Als Gutachter im Dienst der "Reichsarbeitsgemeinschaft“ trieb er nach eigener Auffassung die staatliche "Sparpolitik“ voran. Vom Freiburger Gericht wurde er im Euthanasie-Prozess für schuldig befunden. Das Gericht sah bei Dr. Schreck ein "krasses Zweckdenken”, dem er offensichtlich ganz verfallen war. Wiederholt äußerte er seine Ansicht, die „Euthanasie" sei eine Finanzfrage. In wirtschaftlich guten Zeiten könne sich der Staat den Luxus leisten, die unheilbar und schwer Geisteskranken auf Kosten der Gesunden mit durchzuschleppen, in Notzeiten müsse er sie abstoßen dürfen. Schreck wurde vom Freiburger Schwurgericht am 16.11.1948 zu einer lebenslanger Haft verurteilt. Nach einer Revisionsverhandlung wurde die Strafe abgemildert und auf dem Gnadenweg ganz erlassen.

 

Quelle: siehe unten

Literatur: Von der Irrenfürsorge zur “Euthanasie” von Heinz Faulstich Lambertus Verlag 1993.

Originalquelle: Stadtarchivs Achern.

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